Kaufen, warten oder lieber Finger weg? Diese Frage beschäftigt Immobilienkäufer und Investoren in Frankfurt aktuell mehr denn je. Nach den Preisveränderungen der vergangenen Jahre ist der Markt wieder in Bewegung, gleichzeitig unterscheiden sich die einzelnen Lagen und Objektarten deutlich voneinander.
Genau darüber haben wir beim ersten Real Estate Connect am 13. August in Frankfurt diskutiert. Eines der drei Community Spotlights widmete sich der Frage, wie der Frankfurter Immobilienmarkt aktuell einzuschätzen ist und worauf es bei einer Kaufentscheidung ankommt.
Eine Erkenntnis aus der Diskussion: Den einen Frankfurter Immobilienmarkt gibt es nicht.
Real Estate Connect ist die neue Afterwork-Eventserie für die Immobilienbranche. Sie bringt Menschen aus unterschiedlichen Bereichen der Immobilienwelt zusammen, um aktuelle Themen zu diskutieren, Erfahrungen zu teilen und neue Perspektiven kennenzulernen.
Im Mittelpunkt stehen Community Spotlights: kurze Impulse zu Themen, die die Branche aktuell bewegen – gefolgt von offenem Austausch und Networking auf Augenhöhe.
Nach dem Auftakt in Frankfurt geht die Eventserie weiter: Das nächste Real Estate Connect findet am 24. September 2026 in Berlin statt.
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Frankfurt 2026: Die wichtigsten Zahlen
Im Frankfurter Stadtdurchschnitt liegen Eigentumswohnungen aktuell bei etwa 5.100 bis 6.500 Euro pro Quadratmeter. Bei Häusern bewegen sich die Preise ungefähr zwischen 4.800 und 5.900 Euro pro Quadratmeter.
Der Blick auf einzelne Stadtteile zeigt allerdings, wie wenig aussagekräftig ein reiner Durchschnittswert sein kann.
| Lage | Preisniveau im Bestand |
|---|---|
| Westend, Altstadt, Nordend & Sachsenhausen-Nord | häufig 7.000–9.000 €/m² |
| Westend, Spitzenlagen | bis zu 14.000–15.000 €/m² |
| Höchst & Bonames | teilweise ab 3.300–4.200 €/m² |
Quelle: Marc Härter Immobilien, „Die teuersten Viertel in Frankfurt: Aktuelle Preise, Stadtteile und Marktdaten Q1 2026“, zuletzt aufgerufen im August 2026.
Die Unterschiede zwischen den Lagen sind damit erheblich. Während in einigen Stadtteilen bereits Preise von mehr als 10.000 Euro pro Quadratmeter erreicht werden, finden sich in anderen Lagen Einstiegspreise von deutlich unter 5.000 Euro.
Für Käufer und Investoren bedeutet das: Der Quadratmeterpreis allein sagt wenig darüber aus, ob eine Immobilie tatsächlich attraktiv ist.
Der Frankfurter Markt zeigt wieder Bewegung
Nach der Preiskorrektur der vergangenen Jahre hat sich der Frankfurter Immobilienmarkt zuletzt wieder etwas stabilisiert. Seit 2025 ist je nach Lage eine leichte Erholung von etwa 2 bis 4 Prozent im Jahresvergleich zu beobachten.
Das verändert auch die Ausgangslage für Kaufinteressenten. Wer auf einen weiteren deutlichen Preisrückgang wartet, muss gleichzeitig berücksichtigen, dass sich einzelne Teilmärkte bereits wieder positiv entwickeln.
Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht unbedingt:
„Soll ich jetzt kaufen oder noch warten?“
Sondern vielmehr:
„Ist dieses konkrete Objekt zu diesem Preis und an diesem Standort eine gute Investition?“
Warum die Mikrolage in Frankfurt entscheidend ist
Zwei Immobilien können in derselben Stadt liegen und trotzdem völlig unterschiedliche Perspektiven bieten.
Wie gut ist die Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr? Wie entwickelt sich das direkte Umfeld? Welche Infrastruktur ist vorhanden? Wie hoch ist die Nachfrage nach vergleichbaren Immobilien? Und wie gut lässt sich das Objekt langfristig vermieten oder wieder verkaufen?
Gerade in einem heterogenen Markt wie Frankfurt gewinnt die Mikrolage deshalb an Bedeutung.
Für Immobilienmakler bedeutet das: Eine gute Beratung geht über den Vergleich von Quadratmeterpreisen hinaus. Entscheidend ist, die Besonderheiten des konkreten Standorts einordnen und mit der jeweiligen Zielgruppe und Nutzungsperspektive verbinden zu können.
Nicht jede günstige Immobilie ist automatisch eine Chance
Ein niedriger Kaufpreis kann attraktiv wirken, muss aber nicht automatisch ein gutes Investment bedeuten.
Neben der Lage spielen beispielsweise Bausubstanz, energetischer Zustand, Instandhaltungsbedarf, Grundriss, Vermietbarkeit und zukünftige Nutzungsmöglichkeiten eine wichtige Rolle.
Umgekehrt kann ein höherer Quadratmeterpreis gerechtfertigt sein, wenn Lage, Objektqualität und langfristige Perspektive entsprechend stark sind.
Die zentrale Frage lautet daher nicht: „Wo ist es am günstigsten?“
Sondern: „Wo stimmt das Verhältnis aus Preis, Qualität, Lage und Perspektive?“
Kaufen, warten oder Finger weg?
Eine pauschale Antwort darauf gibt es nicht. Die aktuellen Marktdaten sprechen vielmehr dafür, genauer hinzuschauen und einzelne Objekte differenziert zu bewerten.
Kaufen kann interessant sein, wenn Lage, Objektqualität und Preis zusammenpassen und die Immobilie langfristig zur eigenen Strategie passt.
Warten kann sinnvoll sein, wenn die Finanzierung noch nicht solide steht oder ein Objekt deutliche Risiken aufweist, die sich nicht ausreichend im Preis widerspiegeln.
Und manchmal lautet die richtige Entscheidung tatsächlich: Finger weg. Zum Beispiel dann, wenn ein vermeintlich günstiger Kaufpreis durch Sanierungsbedarf, schwierige Vermietbarkeit oder eine schwache Lage relativiert wird.
Was Immobilienmakler daraus mitnehmen können
Für Makler steckt in einem differenzierten Markt eine besondere Chance: Gute Beratung wird wichtiger.
Kunden brauchen heute weniger pauschale Aussagen darüber, ob „der Markt“ gerade gut oder schlecht ist. Sie brauchen eine fundierte Einschätzung des konkreten Objekts.
Dazu gehört, Marktpreise einzuordnen, Unterschiede zwischen Lagen sichtbar zu machen und Chancen ebenso wie Risiken transparent zu benennen.
Wer seinen Kunden erklären kann, warum eine Immobilie zu einem bestimmten Preis attraktiv oder eben nicht attraktiv ist, schafft echten Mehrwert.
Frankfurt: Ein Markt – viele Perspektiven
Genau diese unterschiedlichen Perspektiven machen den Austausch innerhalb der Immobilienbranche so wertvoll. Beim Real Estate Connect Frankfurt haben wir deshalb nicht nur über die Frage „Kaufen oder warten?“ gesprochen, sondern darüber, wie unterschiedlich sich der Markt je nach Lage, Objekt und Strategie tatsächlich darstellt.
Das Community Spotlight aus Frankfurt war eines von drei Spotlights des Abends und ein Beispiel dafür, welche Themen entstehen, wenn Immobilienprofis ihre Erfahrungen und Einschätzungen miteinander teilen.
Der nächste Real Estate Connect findet am 24. September 2026 in Berlin statt.
Auch dort stehen wieder aktuelle Themen aus dem Immobiliengeschäft, unterschiedliche Perspektiven und der Austausch innerhalb der Community im Mittelpunkt.
Denn gerade in einem Markt, der sich verändert, gilt: Nicht pauschal entscheiden – sondern genau hinschauen, Erfahrungen teilen und gemeinsam bessere Perspektiven entwickeln.